#FollowMyDay
an den FIS Alpinen Ski-Weltmeisterschaften

Robert Emeri

Pilot (57 Jahre alt, 17 Jahre bei Swissair und seit 2002 bei SWISS)

Performanceflüge mit einem Passagierflugzeug und der Patrouille Suisse, wie man sie von den Lauberhornrennen kennt, begeistern nicht nur Besucher vor Ort, sondern auch mehrere Millionen Menschen, die online hautnah dabei sind. Für die drei Piloten im SWISS Flugzeug ist ein solcher Überflug keine Routine, sondern ein absolutes Highlight. Bis zum grossen Tag gibt es jedoch so einiges zu tun. SWISS Pilot Robert Emeri dokumentierte die Vorbereitungsphase der spektakulären Flüge an der Ski-WM in St. Moritz.

Robert faszinierte das Fliegen schon immer. Daran hat sich nach über 30 Jahren im Beruf nichts geändert: «Mein Onkel war Militärpilot. Ich bewunderte immer ein Foto von ihm bei uns zuhause. Er strahlte in seinem Militärflugzeug», erinnert er sich zurück.

onkel.jpg

Dass er einmal selbst in Uniform über den Wolken schweben würde, wusste Robert damals noch nicht. Aber gewünscht hat er es sich schon früh.

uniform_robert.jpg

Robert schwärmt von den Spezialflügen: «Während des Fluges ist man wie in einem Film. Erst nach der perfekten Vorführung kommt die Entspannung – und mit ihr pure Glücksgefühle!»

Während beim regulären Linienflug zwei Piloten im Cockpit sitzen, sind es beim Performanceflug drei. Als Mission Commander sitzt Robert vorn links. Rechts von ihm sitzt der Assisting Pilot Andres «Res» Müller, der ihn während des Überflugs unterstützt. Auf dem dritten Sitz im Cockpit, dem sogenannten Jumpseat, sitzt Ivo Vogel, der «Safety-Pilot»: «Er behält den Gesamtüberblick und kann uns über Auffälligkeiten informieren.» Bei einem Überflug kommt kein Autopilot zum Einsatz. Der ganze Flug wird von Robert manuell gesteuert. «Die CS100 verfügt über ein sehr präzises Steuerungssystem.» Der gesamte Displayflug erfordert höchste Konzentration von der Cockpit Crew.

ivo.jpg

Pilot Ivo Vogel

gruppenbildersatz_res.jpg

Pilot Andres «Res» Müller

Planungsphase

Die Vorbereitung beginnt schon früh. Ein Performanceflug wird bis ins kleinste Detail geplant. Deshalb finden erste Besprechungen bereits Monate vor dem eigentlichen Event statt. Seit November 2016 ist Robert mit den unterschiedlichsten Abteilungen innerhalb von SWISS in der Planung. Zudem sind die Piloten im stetigen Kontakt mit der Patrouille Suisse und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL): «Aufgrund des Berggebiets in St. Moritz sind die Vorbereitungen in Bezug auf die genaue Route mit Radien und möglicher Schieflage besonders umfassend», erklärt er.

vorbereitung-mit-ps.jpg

Res und Robert mit den Piloten der Patrouille Suisse.

Für den ehemaligen Militärpiloten ist es eine besondere Herzensangelegenheit, gemeinsam mit der Patrouille Suisse den Performanceflug umzusetzen – und dies gerade in St. Moritz während der FIS Alpinen Ski-Weltmeisterschaften. «Ich bin in Villars, einem Skigebiet in der Westschweiz, aufgewachsen und verbinde daher sehr viel mit dem Wintersport.»

kindheit.jpg

Neben diversen Besprechungen mit dem BAZL und der Patrouille Suisse gilt es vor allem, die Route und die Luftwege zu berechnen, um die genaue Performance festzulegen. Wer jetzt denkt, dass dies ein Computer für die Piloten erledigt, hat sich geirrt. Das ist alles Handarbeit oder – in diesem Fall – Kopfarbeit.

papierkarte.jpg

karte_01.jpg

robert_handgeste.jpg

Gemeinsam mit Res und dem Leader der Patrouille Suisse, Simon «Billy» Billeter, wird an der perfekten Performance getüftelt. «Auf einer Papierkarte zeichnen wir Distanzen ein und berechnen Geschwindigkeiten, Kurvenradius sowie Flughöhen.»

Flugsimulator

Nach den Berechnungen steht der Plan in der Theorie. Um ihn auch in der Praxis zu testen, geht es nicht etwa direkt ins Flugzeug sondern zunächst in den Flugsimulator. Robert absolviert den Test aber nicht allein: «Ich setze mich mit meinem SWISS Pilotenteam ins Cockpit des Flugsimulators, um die ganze Route abzufliegen.»

flugsimulator_01_neu.jpg

flugsimulator_02.jpg

flugsimulator_03.jpg

robert_1.jpg

Wetter

Der Plan mag noch so perfekt sein, spielt das Wetter nicht mit, fällt die Flugshow aus. Doch was bedeutet optimales Wetter in diesem Fall? «Unter 3200 Metern dürfen keine Wolken auf der zuvor festgelegten Flugbahn sein», erklärt Robert. «In den Alpen ändert die Witterung extrem schnell. Auch wenn es zunächst nicht gut aussieht, starten wir trotzdem. Die Möglichkeit besteht nämlich, dass sich die Wolken bis zum Überflug doch noch verziehen. Zur Unterstützung befindet sich ein weiterer SWISS C Series Pilot in St. Moritz im Zielbereich, um der Cockpit Crew die genaue Wetterlage per Funk mitzuteilen. In St. Moritz ist das Wetter meist gut und dieses Mal hat das Wetter tatsächlich mitgespielt – bis auf Freitag.

wingshot_wette_01.jpg

Der grosse Tag

«Ich stehe um 06:00 Uhr auf, trinke meinen Kaffee und werfe einen ersten Blick auf die Wettersituation.» Anschliessend geht es für Robert bereits zum Flughafen. Auch hier ist das Wetter das Hauptthema. Erleichterung macht sich breit: «Die Witterung sieht gut aus.» Es geht an die finalen Besprechungen: «Etwa zwei Stunden vor Abflug begibt sich die Crew zum Flugzeug. Die Vorbereitungen von innen und aussen sind die gleichen wie bei einem Linienflug.» Die drei sind ein eingespieltes Team und so führt jeder seine zugeteilten Aufgaben aus. Ivo kontrolliert das Flugzeug von aussen auf Unregelmässigkeiten. Neben den Abstimmungen mit der Patrouille Suisse müssen beim Computer im Cockpit spezifische Vorbereitungen getroffen werden. Darunter auch gewisse Routenpunkte, die nicht mit einem regulären Linienflug vergleichbar sind.

vorbereitung_01.jpg

vorbereitung_02.jpg

foto-vorbereitung_03.jpg

C Series über St. Moritz

Robert und sein Team starten von Zürich, die Patrouille Suisse von Emmen. Die Flugzeuge treffen sich über Samedan. «Ich war bereits einige Wochen vor dem Überflug in St. Moritz, um mir die Topografie des Gebiets anzusehen», erzählt Robert. Der Flug wurde so geplant, dass die C Series bei Verspätungen theoretisch eine Stunde über St. Moritz warten könnte. Und dann geht auf einmal alles ganz schnell: Hochkonzentriert begibt sich die Cockpit Crew in die Performance. Nach dem Überflug wird Robert von Emotionen überwältigt und gleichzeitig macht sich grosse Entspannung breit, gemischt mit vielen Glücksgefühlen: «Ein unbeschreiblicher Moment!»

patrouille_suisse_01.jpg

patrouille_suisse_02.jpg

patrouille_suisse_04.jpg

Und auch für die Zuschauer vor Ort war die Flugshow von SWISS und der Patrouille Suisse ein unvergessliches Highlight:

Angebote